9.8.03 und 10.8.03

Schon am Abend vorher war ich total aufgeregt. Ich kam noch nicht einmal dazu, meine Koffer zu packen. Das wurde dann einfach auf heute morgen verschoben! So musste ich also gegen 6 aufstehen, die wichtigsten Sachen in den Koffer stopfen und mich fertig machen. Zum Frühstück konnte ich mir nur einen Fruchtzwerg runterquälen und danach war mir schon etwas schlecht.

Die Fahrt zum Flughafen überstand ich dann aber recht gut, und als mir dann auch noch gesagt wurde, dass man auf mich warten würde, wenn ich wieder in Wien ankommen würde, fiel mir doch ein riesiger Stein vom Herzen. Ich würde nur 10 Tage weg sein und selbst wenn es in Japan nicht schön sein würde, wäre die Zeit schnell wieder um.

Natürlich hatten wir am Flughafen wieder sehr lange Zeit, bis wir ins Flugzeug einsteigen konnten und so schlenderte ich mit meinem Freund Martin durch die kleinen Geschäfte. Gekauft wurde aber nichts, alles viel zu teuer da! 

Zuerst stiegen wir in ein kleines Flugzeug, das uns von Wien nach Zürich brachte. Dort hatten wir eine Stunde Zeit und uns war ganz schön langweilig, denn der Flughafen ist ziemlich klein. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit konnten wir dann also in unser richtiges Flugzeug einsteigen, dass uns in 13 1/2 Stunden nach Tokyo bringen sollte. Vorher hatte ich leider mit Martin ausgemacht, dass wenn einem von uns langweilig sein sollte, wir den anderen wecken sollen. Es war auch noch mein Vorschlag, den ich schrecklich bereut habe. Ich war zwischenzeitlich nämlich ziemlich müde, Martin aber leider nicht. (Er hatte schon auf dem Flug nach Zürich geflogen...)

Irgendwann geht auch der längste Flug zuende und wir durften endlich aus dem Flugzeug aussteigen. Leider folgte auch direkt der erste Schock: Im Flugzeug war es total kalt gewesen, aber als wir raus gingen, kam uns eine totale Schwüle entgegen... da wären wir am Liebsten wieder zurückgegangen Ich hatte zwar gewusst, dass es in manchen Sommern in Tokyo bis 40° warm wird, aber das es so schwül sein kann... am Anfang hatte ich das Gefühl, gar keine Luft zu bekommen. 

Wir durften uns zuerst auf ein Fließband stellen, dass uns durch den Flughafen transportierte und dann mussten wir uns anstellen, um unsere Visa und Reisepässe vorzuzeigen. Mittlerweile wurde ich übrigens ziemlich müde, aber dummerweise lag noch ein ganzer Tag vor mir!
Naja, als wir am Schalter dran waren, mussten wir unsere erste Aufgabe lösen: Das Visum abgeben und hoffen, dass wir ohne Fragen einreisen durften. Die meisten Leute dort konnten kein Englisch und einer aus unserer Gruppe hatte Probleme, weil der Japaner am Schalter Arakawa (Der Stadtteil von Tokyo, in dem wir wohnen würden) nicht kannte... aber letztendlich waren wir doch alle wieder vollzählig

Nach einer Weile hatten wir unsere Koffer und warteten... worauf wussten wir nicht. Ich fand es jedenfalls besonders doof. Endlich war ich in meinem Lieblingsland angekommen, konnte aber nichts davon sehen. Zusätzlich schmerzte mein Rücken und ich wollte einfach nicht mehr untätig rumstehen.
Zum Glück kam dann aber eine Japanerin auf uns zu und drückte uns allein ein Zugticket für den Skyliner in die Hand. Nun lernten wir also unsere erste Lektion: Wie fahre ich in Japan mit der Bahn?

Der Unterschied zu Deutschland ist, dass vor dem Bahnhof/Bahnsteig ein Automat steht, man steckt das Ticket herein, geht durch eine Schranke und nimmt auf der anderen Seite das Ticket wieder heraus. Ich tat das, weil ich es als Andenken behalten wollte, manche ließen es aber einfach stecken. Tja, als das dann unsere Reiseleiterin bemerkte, mussten wir zurücklaufen und die Tickets einsammeln, da man diese braucht, um wieder aus dem Bahnhof rauszukommen (Wie bei der Metro in Paris).

Der Skyliner war sehr schön, recht leer und wir hatten alle feste Sitzplätze. Vom Flughafen Narita braucht man etwa eine Stunde bis Tokyo, er liegt also außerhalb. Deswegen war ich etwas verwundert, als ich das erste mal Japan erblickte: Es sah kaum anders aus als bei mir zu Hause. Überall waren Felder, ein paar kleine Wäldchen. Nur die Dörfer unterschieden sich. Die meisten bestanden aus wirklich winzigen Häusern und ich dachte nur, wenn ich in so ein Haus komme, bekomme ich bestimmt Platzangst

Später kamen wir dann in Nippori an. Dort wurden wir auch direkt von den 6 Japanerinnen begrüßt, die in Wien waren. Mir wurde mein Rucksack abgenommen, und das bei meinen Schmerzen! Dômo arigatô! (Vielen Dank) 

Unser Ziel war ein Hotel. Unser Gepäck wurde uns entführt und wir warteten darauf, jede Sekunde unsere Gastfamilien kennen zu lernen. Vor der Reise hatte ich einen Zettel über meine Familie bekommen. Ich sollte in eine junge Familie mit 2 kleinen Kindern kommen und die Besonderheit: Die Eltern sprechen Deutsch. Darauf war ich ja wirklich sehr gespannt.
Wenig später durften wir einen großen Raum betreten, an dem die Tische mit den Gastfamilien standen. Ich suchte mein Namensschild und setzte mich total aufgeregt hin. Wir begrüßten uns, aber die Stimmung war ziemlich angespannt. Dann sagte Kochan (meine eine Gastschwester, 7): "Es ist heiß hier." Ich war total verwirrt und wusste gar nicht, was ich dazu sagen sollte, naja

Wie sich herausstellte, konnten meine Gasteltern wirklich perfekt Deutsch. Die beiden hatten vor 15 Jahren in Deutschland gelebt und sich dort auch kennen gelernt! Die Kinder konnten leider kein Deusch (Der Satz wurde der Kleinen wohl vorher beigebracht ).
Alles in allem war ich sehr mit meiner Familie zufrieden. Ich konnte mich gut mit ihnen unterhalten. Bei manch anderem sah das ganz anders aus, da manche Gasteltern noch nicht einmal Englisch sprachen. (Und ich war die Einzige in der Gruppe mit etwas Japanischkenntnissen!)

Das Treffen zog sich noch etwas hin, wir bekamen jeder eine Tüte mit Stadtplan und Ähnlichem, aßen lecker Kuchen und ich quälte mir etwas Wasser runter (Das schmeckt in Japan total nach Chlor, echt eklig!!) Doch dann wurden wir mit Gepäck in die Autos unserer Gastfamilien verfrachtet und ins neue Heim gebracht. Meine Ängste wegen einem kleinen Haus haben sich nicht bestätigt, da meine Gasteltern ein freistehendes Einfamilienhaus besitzen, das ziemlich groß ist. Direkt im Flur standen Bambushausschuhe für mich bereit, da man in Japan das Haus nicht mit Straßenschuhen betreten darf.

Mein kleiner Rundgang ergab Folgendes: Im Erdgeschoss befand sich eine Art Büro, ein Tatamiraum (umfunktioniert in eine Abstellkammer) und das Bad. Das Bad war typisch Japanisch: Eine High-tech-Toilette mit ganz vielen seltsamen Knöpfen, ein kleiner Raum, indem man sich umziehen konnte und das eigentliche Bad mit Wanne, das man komplett beim Duschen unter Wasser setzen kann.
Im ersten Stock habe ich nur Wohnzimmer, Küche und wieder eine Art Abstellkammer gesehen Der zweite Stock war dann mein Reich! Da sollte ich ganz alleine wohnen. Ich durfte mir das Zimmer aussuchen (Habe das mit der Klimaanlage genommen, durch eine Tür konnte man dann sogar noch auf den Balkon) und hatte noch ein eigenes kleines Bad mit Waschbecken und Toilette für mich.
Wenn man noch eine Treppe hoch ging, stand man auf dem Dach und konnte die Umgebung betrachten. Hier durfte man aber wieder nicht mir den Hausschuhen hin, sondern musste sich Straßenschuhe anziehen

Meine Gasteltern fragten mich, ob ich mir am ersten Tag noch etwas ansehen wollte und ich sagte sofort ja. Ich war zwar immer noch müde, aber 10 Tage muss man ja schließlich ausnutzen! Trotzdem gönnten sie mir eine Pause und ich legte mich in mein Bett um dort auch direkt einzuschlafen.
Als ich wieder aufwachte, dachte ich zuerst, ich hätte die ganze Nacht verschlafen. Zum Glück war es dann aber doch nur halb 4 und ich gesellte mich zu meiner Gastfamilie.

Zuerst ging es nach Asakusa. Dort befindet sich eine Tempelanlage mit vielen Geschäften. Spannend fand ich den großen Brunnen mit Rauch, vor dem die Menschen stehen blieben, um sich mit dem Rauch zu reinigen. Wir gingen kurz in den Tempel hinein und mir wurde gezeigt, wie man in so einem Tempel betet (natürlich alles mit einer kleinen Geldspende)
Neben dem Tempel war ein großer Platz, auf dem sich ganz viele Tauben tummelten. Man konnte sogar Futter kaufen und schon kamen alle Tauben zu einem... Meine Okâsan (Mutter) und Maichan machten leider nicht mit, weil Maichan Angst vor den Tieren hatte.

Nach der Fütterung hatten wir uns eine Stärkung verdient. Hier lernte ich auch direkt, wie man in Japan bestellt: Vor dem Restaurant befinden sich Bilder oder Plastikgerichte, wo man sich das Essen schon aussuchen kann. Beim Betreten des Restaurants gibt es dann direkt die Kasse, an der man bestellt. Wir Kinder aßen Eis und bekamen etwas Kühles zu trinken. 

Danach ging es schon wieder nach Hause. Ich saß noch mit meinen Gasteltern zusammen, hab nach Hause telefoniert und bin totmüde um halb 10 ins Bett gefallen. Kochan und Maichan kamen noch kurz hoch und sagten "Guten Morgen" zu mir, was ich total süß fand Aber nach diesem Tag bin ich richtig schnell eingeschlafen...

Der Eingang des Tempels

Der Platz mit den Tauben

Mein Otôsan

Ich beim Füttern

Erfrischendes Eis (aber etwas gewöhnungsbedürftig)

9.8.03 17:42

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