18.8.03 und der Abflug

Der letzte Tag hatte angebrochen. Meine Okâsan brachte mich wieder nach Nippori. Komischerweise wartete dort nur Martin... da war mal wieder ein Missverständnis aufgetreten. Die anderen hatten es so verstanden, das wir den Vormittag frei mit unseren Gastfamilien verbringen durften. So kam es, dass Martin und ich auf uns allein gestellt durch Tokyo laufen sollten, bis die anderen eintrafen.
Da fällt mir auch direkt eine Geschichte zu ein: Wenn ich mit Martin über meine Gastfamilie sprach, redete ich immer von Okâsan (Mutter) und Otôsan (Vater) Und dann sprach er mich darauf an, dass seine Familie immer von Otôsan sprachen und er wirklich gern wissen würde, woher sie meine Gastfamilie kennen! *g*

Wir trieben uns eine halbe Stunde in einer Buchhandlung rum und gingen dann zum gegenüberliegenden McDonalds. Leider konnte dort aber keiner Englisch. Wir zeigten also mit dem Finger auf das, was wir haben wollten (Pancakes!)  und hoffen, dass wir es auch bekamen. Die Verkäuferin wollte aber noch irgendetwas von uns wissen und fragte etwas auf Japanisch. Wir haben natürlich kein Wort verstanden... zeigten wieder auf das Bild, bekamen wieder die gleiche Frage gestellt... aber irgendwann hatte ich wirklich meine Pancakes!

Später fand sich auch die ganze Gruppe zusammen und wir gingen zur Teezeremonie. Dort wurden erstmal Männer und Frauen getrennt und wir wurden in einen kleinen Ankleideraum geführt. Wir durften uns einen Yukata aussuchen und ich wählte einen schwarzen mit Blüten und rotem Obi. 

Das Anziehen war eine ziemliche Quälerei. Der Yukata wird erstmal übergestreift und ist viel zu lang, sodass er auf dem Boden schleift. Dann wird er zusammengebunden, und zwar so, dass in der Mitte der überschüssige Stoff hochgezogen wird, sodass der Yukata fast direkt über dem Boden endet. Dann muss der Obi (Gürtel) angelegt werden. Natürlich so, dass der Stoff überall glatt aussieht. Eine Pappe wird zwischen Bauch und Obi gesteckt, damit es stabiler wird. Zum Schluss fehlt dann nur noch das Binden der schönen Schleife und ein unbequemes Kleidungsstück ist fertig angezogen! So wurden wir in den Raum geführt, in dem die Teezeremonie stattfinden sollte. Natürlich war er mit Tatamimatten ausgelegt und wir mussten auf dem Boden hocken.

Eine Frau kam in den Raum und bereitete auf spezielle Weise den Tee zu. Jeder bekam eine Schale Tee und dazu eine Süßigkeit (weil der Tee so bitter schmeckt), die man mit einem Holzstäbchen in 4 Teile teilt. Normalerweise muss man die Schale dann noch vor dem Trinken drehen und den Tee in einer bestimmten Schluckzahl austrinken (so unsere Übersetzerin) aber der Tee war so bitter das ich es nicht einhalten konnte *unschuldig pfeif*

Nach dem Trinken wurde uns natürlich noch einmal gezeigt, wie man den Tee anrührt und wer wollte, durfte dieses auch selbst probieren. Es wurden noch ein paar Gruppenfotos geschossen und es ging in den Tempelgarten, in dem auch ein kleiner Friedhof lag. An der Tür vom Tempel mussten wir natürlich Geta (Die passenden Schuhe für den Yukata) anziehen, die aber viel zu klein waren. Trotzdem trippelten wir vorsichtig durch den Garten und sahen uns alles an.

Weiter ging es zum traditionellen Puppenmacher. Diese Puppen werden alle handgemacht und sind sehr teuer. Eine ungefähr 15 cm große Puppe kostete da schon über 1000 Euro... nicht schlecht, finde ich. Ansonsten haben wir dort aber nicht viel gesehen.

Um 18:30 wurden wir zu Hause abgeliefert und konnten uns für die Abschlussfeier bereit machen. Ich hab also mein Kleid angezogen, dass ich extra dafür in Wien noch gekauft hatte und es konnte los gehen.
Der Raum der Abschlussfeier war so eingerichtet, das immer zwei Familien an einem Tisch saßen und nach und nach wurde jede Familie aufgerufen und erzählte etwas über den Austausch.

Unsere Gruppe selbst hatte auch einiges vorbereitet, zum Beispiel erzählten wir alle ein bisschen über die Geschichte von Österrich und der Umgebung (3 mal dürft ihr raten welches Thema mir zugewiesen wurde!) Als wir dann auch noch 2 österreichische Lieder zum Besten gaben konnte ich da auch nicht so toll mitsingen... aber was solls

Am Ende des Abends wollten die anderen noch Karaoke singen gehen, aber ich entschied mich dagegen. Ich wollte den restlichen Abend gern noch mit meiner Gastfamilie verbringen und so fuhren wir nach Hause. Am Abend saßen wir noch lange zusammen und ich habe sogar noch Geschenke bekommen.

Am nächsten Morgen war ich dann noch viel trauriger, wieder gehen zu müssen. Meine Gasteltern brachten mich noch bis nach Nippori und dort mussten wir uns auch verabschieden. Es war alles sehr traurig. Wir fuhren mit dem Skyliner wieder zum Narita Flughafen und schon bald saßen wir wieder im Flieger. Ich glaube wir alle waren traurig, wieder gehen zu müssen. Aber ich wusste, das würde nicht mein letzter Urlaub in Japan gewesen sein!

18.8.03 11:47

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